Mundgesundheit im Alter

 

Zahnverlust allein ist keine Alterserscheinung

Die Wissenschaft zeigt uns heute, dass der Alte­rungsprozess nichts Gravierendes im Mund verändert. Die Mundschleimhaut wird nicht runzelig, die Kaukraft bleibt erhalten, und auch die Zähne fallen nicht al­lein durch das Altern aus. Entsprechend ist es zu einem ganz deutlichen Trend geworden, dass ältere Menschen immer mehr eigene Zähne besitzen. In Deutschland haben derzeit ca. drei Viertel aller 64-74jäh­rigen im Durchschnitt noch 18 eigene Zähne. Ein Unterschied besteht allerdings: Erkrankungen wie Karies oder Parodontose wirken bei einem 64-jährigen 30 Jahre länger als bei einem 34-jährigen und dass man in der Jugendzeit des heute 64-jährigen noch nicht viel über Vor­beugung (Prophylaxe) wusste.

Damals hat man die Mundgesundheit noch nicht für sehr wichtig erachtet, doch das ist lange vorbei!
Vier gute Gründe sprechen dafür, dass die Mundge­sundheit gerade auch im Alter sehr wichtig ist:

  1. Viele gesunde Lebensmittel müssen gut zerkleinert werden („Gut gekaut ist halb verdaut“). Schmerzen im Mund, Entzün­dungen, wackelde Zähne oder Prothesen behindern die Nahrungszerkleinerung erheblich und der Spaß am Essen geht verloren.
  2. Ein gesunder und gepflegter Mund sieht gut aus und riecht besser. Das lässt einen im täglichen Umgang mit anderen Menschen entspannter und sicherer sein.
  3. Je älter man wird, umso schlechter gewöhnt man sich an herausnehmbaren Zahnersatz. Es gibt heute viele Menschen, die keine heraus­nehmbaren Prothesen mehr wollen. Deshalbist es wichtig, Schäden im Mund vorzubeugen.
  4. Die Mundgesundheit beeinflusst die allge­meine Gesundheit. Der Mund ist eine wichtige Eintrittspforte für Bak­terien, Pilze und Viren in den Körper. Die Ansammlung und Verweildauer von diesen Keimen auf den Zähnen, der Zunge und auch auf herausnehmbaren Zahnersatz hat Einfluss auf die Allgemein-gesundheit. So besteht zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen der Mund­hygiene und Lungenerkrankungen, dem Risiko für Schlaganfälle und Herzerkrankungen.

Das Motto sollte sein: „Früher ging man zum Zahnarzt wenn es weh­tat, heute geht man zum Zahnarzt, damit es nicht wehtut!“

 

Was kann ich selbst zu Hause tun?

 

Zwei wichtige Erkrankungen bedrohen die Mund­gesundheit: Die Karies zerstört die Zähne, die Par­odontitis den Halt der Zähne im Kieferknochen. Beide Erkrankungen werden durch Bakterien im Zahn­belag verursacht. Zur Bekämpfung von Karies und Parodontitis haben sich folgende Strategien bewährt:

1) Zahnbelag muss mindestens zweimal täglich entfernt werden. Auch künstliche Zahnwurzeln (Implantate) und festsitzender Zahnersatz schützen nicht vor Zahnfleischer­krankungen und müssen sorgfältig gereinigt wer­den. Die Zahnzwischenräume stellen einen besonders kritischen Bereich dar. Für größere Zwischenräume ist eine Interdentalbürste, für kleinere eine Zahnseide ggf. mit Halter zuempfehlen.
zahnseidehalter

2) Herausnehmbarer Zahnersatz sollte z.B. mindestens einmal täglich mit Flüssigseife und Bürste gereinigt wer­den. Oder noch besser, man sollte eine speziell für herausnehmbaren Zahnersatz konzipierte Reinigungspaste kaufen. Diese gibt es in Drogerien oder Apotheken.

3) Ein ganz neues, aber wichtiges Thema ist die Rei­nigung der Zunge. Hier sitzen bis zu 80 % aller Mundbakterien. Sie verursachen unangenehmen Mundgeruch und gelangen mit dem Speichel an die Zähne, Zahnfleisch und den Zahnersatz. Deshalb sollte zweimal täglich nach der Zahnpflege auch dieZunge mit einem speziellen Zungenreiniger ge­pflegt werden. Das zahnärztliche Prophylaxe-Team in Ihrer hauszahnärztlichen Praxis wird Ihnen gerne weitere Informationen und Tipps für Ihre ganz persönliche Situation geben. Hier ein Zungenreiniger:zungenbürste

 

Spielt die Ernährung eine Rolle?

 

Wie wir alle wissen, schadet Zucker (Kohlenhydrate) leider den Zähnen. Dabei ent­scheidet nicht die Menge, sondern wie häufig man zuckerhaltige Speisen zu sich nimmt. Eine Ta­fel Schokolade in kleinen Portionen über den Tag zu verteilen, ist gefährlicher als die Tafel in einer halben Stunde „en bloc“ zu verzehren. Man muss nicht gänzlich auf Zucker verzichten, aber einige Punkte sollte man schon beachten.

  • Zuckerhaltige Nahrungsmittel weniger oft verzehren
  • Bei Süßigkeiten auch einmal Produkte probieren, die unschädlich für die Zähne sind. Man erkennt diese Produkte am „Zahnmänn­chen“-Aufdruck der Aktion zahnfreundlich e.V. Hier werden oft Zucker­austauschstoffe verwen­det, die zwar künstlich klingen, aber doch aus der Natur stammen: Xylit, Sorbit.images
  • Zucker findet sich auch in hoher Konzentration in Nahrungsmitteln, bei denen man dies nicht ohne weiteres vermutet: Ketchup, Bananen, Salatsoßen und Erfrischungsgetränken. Diese Lebensmittel sollte man nur nicht zu häufig zu sich nehmen.
  • Zuckerfreie Kaugummis sind sehr zu emp­fehlen. Sie tragen zur Reinigung bei und regen den Speichelfluss an. Speichel ist die wichtigste natürliche Abwehr gegen Erkran­kungen im Mund.
  • Ältere Menschen die unter Stoffwechselerkrankungen leiden, sollten bevor sie ihre Ernährung diesbezüglich anpassen möchten, mit ihrem Hausarzt sprechen.
Denn: „Gesund beginnt im Mund!“